16.05.2010
Daniela Kletztke, Kursleiterin „ Medien“ Clara Grunwald Schule, Allermöhe.
Jeden Dienstag begegnen mir an der Clara-Grunwald-Schule neun ziemlich eigenwillige Menschen mit ausgeprägten Stärken und Vorlieben. Sie heißen Arzum, Carla, Daniel, Muhammad, Paulina, Tara, Thomas, Gina und Sophie und sind acht und neun Jahre alt. Die meisten von ihnen haben zuhause außer Deutsch noch eine andere Sprache gelernt.
Immer wieder verblüffen sie mich durch ihren intellektuellen Horizont.
Daniela Kletztke, Kursleiterin „ Medien“ Clara Grunwald Schule, Allermöhe.
Meine Liebe zum Radio hat Mitte der achtziger Jahre beim Hamburger „Freien Sender Kombinat“ begonnen. Ich finde es toll, wie leicht im Radio ganz unterschiedliche Klänge, Leises und Lautes, Reales und Erfundenes, zusammenstoßen oder auch eine friedliche Verbindung eingehen können.
Beim „Freien Sender Kombinat“ war ich in der Frauen Crew. Schon damals haben wir mit Mädchentreffs kooperiert, Technikkurse angeboten und Mädchen ermutigt, bei uns zu senden. Inzwischen arbeite ich als Hörspielregisseurin u.a. für den NDR und Radio Bremen. Radio mit Kindern und Jugendlichen habe ich immer wieder gern gemacht, zuletzt Kurzhörspiele zum Thema „Wo geht’s hier nach Hause?“ mit Mädchen aus Einwandererfamilien und Radiogeschichten mit schwerhörigen und normal hörenden Kindern.
Der Medienkurs an der Clara-Grunwald-Schule in Allermöhe:
Jeden Dienstag begegnen mir an der Clara-Grunwald-Schule neun ziemlich eigenwillige Menschen mit ausgeprägten Stärken und Vorlieben. Sie heißen Arzum, Carla, Daniel, Muhammad, Paulina, Tara, Thomas, Gina und Sophie und sind acht und neun Jahre alt. Die meisten von ihnen haben zuhause außer Deutsch noch eine andere Sprache gelernt.
Immer wieder verblüffen sie mich durch ihren intellektuellen Horizont.
Da trägt mir ein Mädchen ein schwieriges Gedicht der polnischen Literaturnobelpreisträgerin Wyslawa Szymborska mit umfassendem Verständnis vor. Ein Junge entwickelt beim improvisierenden Schauspiel Charaktere, die wie nebenbei entstehen und witzig und schlüssig sind. Als Gruppe wissen sie so viel über die Voraussetzungen des Zeitungmachens und die Printlandschaft, dass ich ganz überrascht bin.
Sie lernen schnell. Von „Wie alt bist du? Was ist deine Lieblingsfarbe?“ zu ziemlich komplexen Interviews hat es nur drei Unterrichtsstunden gedauert. Deshalb brauchen sie immer neue Anregungen. Wir erkunden, was es in den Medien für Berufe gibt, und üben Grundfertigkeiten wie Interviewen, Recherchieren, Sprechen und Schreiben.
In ihren sozialen Fähigkeiten sind diese klugen Kinder ganz unterschiedlich, manche haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl, andere sind mit sich beschäftigt, manchmal traurig, manchmal hibbelig.
Diesen Individualistinnen und Individualisten nahe zu bringen, dass Medien immer im Team entstehen ist meine Aufgabe. Das ist ab und zu schwierig. Und schön.